Was eine Gemeinschaft wirklich kostet
Was eine Gemeinschaft wirklich kostet beschreibt einen Grundgedanken der Gemeinschaft Arcanara: Kennenlernen kostet nichts, Mitmachen kostet Zeit, und Geld erst, wenn jemand bleiben will. „Wer wenig Geld hat, hat deshalb nicht weniger zu geben.“
Der Leitgedanke
In vielen Gemeinschaften folgt auf den ersten schönen Abend die Bitte um einen Beitrag. Das weckt Misstrauen, und oft zu Recht. Bei Arcanara ist die Reihenfolge umgekehrt: Wer kommt, ist Gast und bleibt es, so lange er möchte. Niemand wird zum Eintritt gedrängt. Mitglied wird, wer den Verein mittragen will.
Wofür ein Verein Geld braucht
Beiträge werden nicht zum Spaß erhoben. Sie tragen das, was immer läuft, auch wenn gerade niemand da ist:
- einen Server, auf dem das Gemeindehaus (ein Mumble-Sprachserver) und die Website Tag und Nacht laufen,
- echte Mitgliedsausweise, die der Verein selbst druckt,
- eine Vereinsversicherung mit Rechtsschutz.
Das ist nicht aufregend, aber es muss sein. Darüber hinaus hat der Verein aus Beiträgen auch Projekte unterstützt. Einige größere Vorhaben kamen zusätzlich auf eigenen Wegen zustande, über Spenden oder einen Kalender (siehe Warum Gemeinschaft Mitwirkende braucht).
Nicht an einem Menschen hängen
Warum bezahlt das nicht einfach einer privat? Weil dann alles an einer Person hängt. Wird sie krank oder fehlt ihr die Kraft, ist das Gemeindehaus weg.
In der Softwareentwicklung gibt es dafür einen nüchternen Begriff, den Bus-Faktor: die Zahl der Menschen, die ausfallen müssten, bis ein Vorhaben stillsteht. Liegt er bei eins, ist das Vorhaben verwundbar, gleich wie engagiert dieser eine Mensch ist. Ein Verein erhöht diesen Faktor. Das Gemeindehaus gehört allen, und wer die Technik heute gern pflegt, weiß: Ein anderer muss sie übernehmen können.
Wer mitmacht, zahlt weniger
Arcanara kennt drei Arten der Mitgliedschaft: die aktive, die aktive Premium-Mitgliedschaft und die Fördermitgliedschaft als passives Mitglied. Das Ungewöhnliche daran: Wer mitmacht, zahlt weniger als wer nur fördert. Wer mitmacht, gibt schon etwas, nämlich seine Zeit. Damit sagt die Beitragsordnung in Zahlen, was die Gemeinschaft auch sonst sagt: Gesucht werden Mitwirkende, nicht bloß Mitglieder.
Am Geld soll es nicht scheitern. Kinder und Jugendliche zahlen nichts, ebenso betreute Erwachsene. Ist es finanziell eng, etwa mit einer kleinen Rente, kann der Vorstand den Beitrag stunden, ermäßigen oder erlassen. Die genauen Beträge stehen in der Beitragsordnung.
Der Ökonom Mancur Olson beschrieb 1965 in Die Logik des kollektiven Handelns, warum gemeinsame Güter oft unterversorgt bleiben: Jeder kann sie nutzen, auch ohne beizutragen. Eine Gemeinschaft, die Gäste ausdrücklich kostenlos willkommen heißt, nimmt das bewusst in Kauf. Sie setzt darauf, dass Menschen bleiben, weil sie dazugehören wollen, nicht weil sie müssen.
Der größte Posten: Zeit
Geld ist nicht das, was eine Gemeinschaft am meisten kostet. Keiner bei Arcanara wird bezahlt. Wer die Technik pflegt, Abende vorbereitet oder Neue einrichtet, tut das in seiner Freizeit. Damit ist Arcanara nicht allein: Laut dem Fünften Deutschen Freiwilligensurvey engagierten sich 2019 rund 40 Prozent der Menschen ab 14 Jahren in Deutschland freiwillig, hochgerechnet etwa 28,8 Millionen.
Ein Buchhalter würde sagen: Die Freizeit der Mitwirkenden ist der größte Aktivposten des Vereins. Sie wird gegeben, weil es Freude macht und weil es etwas für die Gesellschaft tut.
Ein kleiner Anfang
Komm als Gast. Mittwochs ab 19:30 ist das Gemeindehaus offen, ohne Anmeldung und ohne Kosten. Im Willkommensraum prüft jemand von der Technik mit dir Mikrofon und Namen. Was eine Mitgliedschaft kostet, muss dich am ersten Abend noch gar nicht interessieren.
Gemeinsam statt allein
Bei Arcanara gibt es keine Vordenker und keine Gurus, nur Menschen, die denselben Weg gehen. Dass ein Gemeindehaus allen gehört und nicht einem Einzelnen, ist dafür die nüchterne Grundlage.
Siehe auch
- Warum Gemeinschaft Mitwirkende braucht
- Was eine Gemeinschaft trägt, wenn es ernst wird
- YouTube: „Wissen entfalten — Folge 18: Was kostet das eigentlich?“
