Woran wir glauben, und was du nicht glauben musst

Aus Arcapedia

Woran wir glauben, und was du nicht glauben musst beschreibt einen Grundgedanken der Gemeinschaft Arcanara: Es gibt eine gemeinsame Haltung, und sie wird offen ausgesprochen — aber sie ist keine Eintrittskarte. Niemand muss ihr zustimmen, um dazuzugehören. Grenzenlos ist das trotzdem nicht.

Der Leitgedanke

Viele Gemeinschaften halten zusammen, weil ihre Mitglieder dasselbe für wahr halten. Das verbindet die, die es teilen — und schafft im selben Moment ein Außen. Sobald es einen Satz gibt, den man sagen muss, gibt es Menschen, die ihn nicht sagen können.

Bei Arcanara ist es umgekehrt aufgebaut. Was uns zusammenhält, ist nicht in erster Linie, was wir denken, sondern was wir tun: ein Abend, ein Tisch, eine Arbeit, ein Gespräch. Das kann man teilen, ohne sich vorher zu einigen.

Woran wir glauben

Diese Haltung wird nicht versteckt, sie steht im Leitgedanken der Gemeinschaft:

  • dass hinter allem eine Ordnung steht — Schöpfung, Schöpfungsgesetze, Naturgesetze
  • Frieden mit allem, was ist; Respekt, Anstand, Achtung
  • Freiheit und Gleichheit unabhängig von Hautfarbe, Herkunft, Religion oder Nationalität
  • die Erde, die Natur und alle Lebewesen achten, fördern und schützen — wir sind hier Gäste, nicht Besitzer

Daraus folgt vieles Praktische: wie wir mit der Erde umgehen, warum wir uns mit Kräutern und altem Heilwissen beschäftigen, und warum wir Dinge lieber selbst nachschauen, als sie zu übernehmen, weil alle sie sagen.

Nicht Bekenntnis, sondern gemeinsames Tun

Die Religionswissenschaft unterscheidet zwischen Orthodoxie — der rechten Lehre, also dem, was geglaubt werden muss — und Orthopraxie, dem angemessenen Handeln. Traditionen lassen sich zwischen diesen beiden Polen einordnen, je nachdem, worauf sie das Gewicht legen. Wo die gemeinsame Praxis trägt, braucht es kein verbindliches Bekenntnis: Menschen können dasselbe tun, obwohl ihre Deutungen auseinandergehen.

Genau dort liegt Arcanara. Zwei Menschen können nebeneinander Gemüse schneiden und über die Welt Gegensätzliches denken. Das stört die Arbeit nicht.

Der Soziologe Robert D. Putnam hat dafür ein nützliches Begriffspaar geprägt: bonding und bridging. Bindendes Sozialkapital wirkt nach innen und verstärkt eine geschlossene Identität; brückenbildendes wirkt nach außen und verbindet Menschen, die verschieden sind. Ein gemeinsames Bekenntnis erzeugt fast zwangsläufig das Erste. Gemeinsames Tun lässt das Zweite zu.

Wo die Grenze verläuft

Offenheit ist nicht dasselbe wie Beliebigkeit. Wer Gewalt will oder Menschen nach Herkunft, Hautfarbe oder Glauben sortiert, ist hier falsch — nicht weil er anders denkt, sondern weil er zerstört, worauf alles andere aufbaut: dass man einander zuhört.

Karl Popper hat das 1945 in Die offene Gesellschaft und ihre Feinde beschrieben, in einer Fußnote zum siebten Kapitel: „Uneingeschränkte Toleranz führt mit Notwendigkeit zum Verschwinden der Toleranz." Wer eine tolerante Ordnung nicht gegen ihre Gegner verteidigt, verliert sie.

Die Grenze verläuft also nicht bei dem, was jemand denkt, sondern bei dem, was er mit anderen macht. Über das Erste kann man streiten. Das Zweite ist die Bedingung dafür, dass man überhaupt streiten kann.

Ein kleiner Anfang

Wer neugierig ist, muss nichts vorbereiten und nichts erklären. Komm zu einem offenen Abend, hör zu, sag deine Meinung — auch wenn sie eine andere ist. Es gibt keinen Satz zu unterschreiben.

Gemeinsam statt allein

Bei Arcanara gibt es keine Vordenker und keine Gurus — nur Menschen, die denselben Weg gehen. Deshalb ist die eine Voraussetzung auch keine Weltanschauung, sondern eine Haltung: dass es sich lohnt, einander zuzuhören. Ohne die wird ein Abend nichts. Mit ihr geht ziemlich viel.

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